In den letzten Jahrzehnten ging es vielfach um Motivation. Selbstmotivation, Motivation von Mitarbeitern, Motivation zu etwas … Ich finde, Motivation wird überschätzt. Motivation ist eine launische Geliebte. Bei Motivation geht es um die Lust etwas zu tun – aber vielfach geht es nicht um Lust und Spaß, sondern darum, dass etwas erledigt wird.
„Wenn ich mal keine Lust habe, dann mache ich es eben ohne.“
Motivation wird überschätzt – Motivation ist eine Diva
Motivation ist die Kraft, die aufgewendet wird, um den Startpunkt einer Aufgabe zu überwinden. Jedes Handeln erfordert eine Art „Start-energie“ – gut vergleichbar mit dem Anlasser beim Auto. Ich mag diese Idee, weil sie erklärt, warum es uns manchmal schwerfällt, etwas zu beginnen, wir aber kaum noch Energie brauchen, wenn wir mal in Bewegung sind. Die Motivation wäre dann die Energie in unserer Batterie. Der Bedarf an Startenergie ist von verschiedenen Faktoren abhängig: einmalige, neuartige oder unbekannte Aufgaben erfordern mehr Startenenergie, als Aufgaben, die schon mehrfach ausgeführt wurden oder Aufgaben, die in einem Block abgearbeitet werden – Routinen. Ein interessanter Ansatz.
Es geht darum, wenig Startenergie zu benötigen und die Aufgaben mit leichter Hand zu erledigen.
Und es ist viel zu tun! Ihr Tag ist voll von Dingen, die zu tun sind, um Ihr Leben am Laufen zu halten. Sie können nicht immer motiviert sein und deswegen sind Routinen so wichtig.
Routinen sind ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg: Einmal erarbeitet und eingeschliffen kosten Routinen kaum Kraft. Mit Hilfe von guten Routinen stellen Sie sich auf Autopilot und Sie stellen sicher, dass Sie keinen Teller[1] verlieren.
Motivation ist eine Diva. Sie kann großartig, inspirierend und voller Energie sein – sie kann aber auch mürrisch und zickig sein – dann läuft nichts. Routinen dagegen sind stabil. Wenig Startenergie, wenig Drama.
Dazu drei Beispiele:
- Wenn Sie ein Auto fahren, dann haben Sie die wunderbare Kraft der Routinen schon erlebt: Während Sie am Anfang mit der Koordination von Gas, Bremse, Schaltung und Blinker vollständig ausgelastet waren, fahren Sie nun automatisch – entspannt und leicht.
- Wenn Sie Ihre Laufschuhe anziehen, um im Wald zu joggen, dann brauchen Sie keine geistigen Kapazitäten für das Laufen selbst – Sie laufen von allein.
- Wenn ein Pilot einen Flug vorbereitet, bedient er sich einer erfolgreichen Routine: Mit Hilfe einer Checkliste stellt er sicher, dass er an alles denkt.
Wenn Sie zukünftig Ihr Leben stabilisieren und harmonisieren wollen, dann wissen Sie nun, wie Sie vorgehen können: Erarbeiten Sie sich Ihre persönlichen Routinen und schleifen Sie sie ein.
Was ist nun eine Routine? Worin besteht der Unterschied zu einer Gewohnheit?
Eine Gewohnheit ist eine immer wiederkehrende Aktivität, ein Automatismus, der wenig bedacht werden muss. Für mich ist eine Gewohnheit eine einfache, vorrangig körperliche Handlung, die automatisiert abläuft. Sie wird durch interne oder externe Auslöser (s. o.) gestartet.
Der Übergang zu einer Routine ist fließend.
Eine Routine ist für mich eine Abfolge von Gewohnheiten oder wiederkehrenden Aktivitäten. Also: Mehrere Aktivitäten ergeben eine Routine. Wenn Sie morgens in die Küche gehen und die Kaffeemaschine anmachen oder sich Wasser für Ihren Tee aufsetzen, dann ist das eine Gewohnheit. Wenn Sie dazu noch parallel ein paar Liegestütze machen oder in die tiefe Hocke gehen, ist das eine Routine.
Für mich ist die genaue Abgrenzung eher akademisch und nicht kritisch.
Nach dem Auslöser sind zu unterscheiden:
- Zeitroutinen (hängen an einer Uhrzeit)
- Kettenroutinen (hängen an anderen Gewohnheiten)
- Situative Routinen (hängen an einer Situation)
Situative Gewohnheiten oder situative Routinen[2] nennt man in der Wissenschaft Implementierungsintentionen.[3] Stellen Sie sich einfach eine „wenn-dann“ – Kombination vor. (z. B. „Wenn ich Stress empfinde, dann halte ich inne und konzentriere mich auf meinen Atem“, oder: „Wenn mich ein Mitarbeiter um eine Lösung bittet, dann frage ich zunächst nach seinen eigenen Vorschlägen“).
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Implementierungsintentionen sehr verhaltenswirksam sind. Bedingung: Sie vergessen diese nicht – doch dazu später mehr.
Es gibt
- reine Handlungsroutinen (Zähne putzen, Kaffee kochen),
- reine Denkroutinen (Meditation) und
- Mischformen (Handeln, Denken, Atmen, Bewegen).
Beispiel: Wenn Sie im Bett liegen und nicht einschlafen können, dann können Sie eine Gedankenfolge (Ich bin entspannt, mein Atem …) auslösen. Das Autogene Training ist solch ein Mentalprogramm.
Wiederkehrende Aktivitäten werden im Unternehmerjournal zu folgenden Routinen-Kategorien zusammengefasst:
- Reflexions-Routinen
- Planungs-Routinen
- Pflege-Routinen
Aber wie gesagt – das ist alles eher akademisch. Wenn Sie im Hinterkopf haben, dass Routinen eine Abfolge von einzelnen Handlungen sind, reicht es.
[1] Siehe Anfang des Buches.
[2] Siehe auch Kapitel 6: Unternehmer-Journal, Die Routinen, hier gehe ich auf Sonder-Routinen ein.
[3] Heinz Heckhausen (Herausgeber), Peter M. Gollwitzer Franz E. Weinert; Jenseits des Rubikon: Der Wille In Den Humanwissenschaften, Springer Verlag