Loben, loben, loben #0029

Warum Sie großzügig Lob spenden sollten. Und wo die Grenzen sind.

Schon Dale Carnegie empfahl großzügig mit Lob umzugehen. Es wird zu wenig gelobt. Jeder Mensch braucht Lob und Anerkennung und fast jeder Mensch bekommt zu wenig davon. Lob tut gut – und es kostet nichts. Fast nichts.

Werden Sie gelobt? Eher häufig? Eher selten? Wahrscheinlich eher selten bis gar nicht.
Loben Sie selbst? Eher häufig? Eher selten? Wahrscheinlich eher selten bis gar nicht, oder?

Wer lobt führt. Wer lobt, ist beliebt. Wer lobt, schafft eine gute Atmosphäre.
Ich unterscheide vier Stufen:

1. Stufe: Sie loben nie.
2. Stufe: Sie loben ab und an einmal.
3. Stufe: Sie loben großzügig.
4. Stufe: Sie loben immer und ungefragt.

Nur die Stufen 1 und 4 sind kritisch. Wenn Sie nie loben, dann sollten Sie dringend daran arbeiten. Nehmen Sie sich vor, jeden Tag mindestens einer Person etwas Nettes zu sagen. Suchen Sie nach Punkten, die lobenswert sind.

Wenn Sie immer und ungefragt loben, dann könnte das auch als überheblich und anmaßend gewertet werden. Es ist gut, dass Sie Lob spenden, aber … wer sind Sie, dass Sie sich das Recht herausnehmen, über alles ein Urteil (wenn auch ein positives Urteil) zu sprechen?

Ein Lob ist eine positive Äußerung über eine Leistung. Ich unterscheide Lob, Anerkennung und Bewunderung.
++ Lob im engeren Sinne kommt aus einem Gefühl der Überlegenheit,
++ Anerkennung kommt aus dem Gefühl der Gleichwertigkeit und
++ Bewunderung kommt aus dem Gefühl der Unterlegenheit.

Ein Lehrer lobt den Schüler, ein Vater den Sohn. Das ist dann Lob im engeren Sinne. Wenn man unter Freunden ist, dann ist ein Lob eher eine Anerkennung. Wenn ein Konzertpianist beklatscht wird, dann gehört das nach meiner Definition in den Bereich der Bewunderung.

Ich unterscheide unterschiedliche Arten des Lobes:

  1. Das leise Lob: Sehen, lächeln und nicken.
  2. Das kleine Lob: „Super, gut gemacht. Danke.“
  3. Das klare Lob: “Super, weil …” Dann folgt eine Begründung, warum ich das gut finde. Wird unter 4 Augen oder in sehr kleiner Runde ausgesprochen.
  4. Das Chef-Lob: Wird öffentlich ausgesprochen.
  5. Das Lob nach oben: Wenn ich jemandem etwas Nettes sagen möchte, ohne dass es überheblich oder anmaßend klingt, dann lobe ich und bringe einen Zusatz. „Wow, das ist toll, (Begründung), wenn ich das mal so sagen darf … Der Zusatz ist wichtig. Er relativiert die Position, stellt eine temporäre Gleichberechtigung her. Ich laufe damit weder Gefahr, überheblich zu wirken, noch Gefahr zu bewundern und mich kleiner zu machen, als ich bin.

Loben ist eine schwierige Disziplin. Lobt man zu wenig, ist es schlecht. Lobt man, so weckt man den Wunsch nach mehr Lob – das kann gut wie schlecht sein. Lobt man viel, dann kann das zu Abnutzungserscheinungen (Inflation) führen. Lobt man falsch, dann kann das beleidigend oder nervend wirken.

Loben ist schwer – aber es ist wichtig.

Der Umgang mit seinen Mitmenschen ist ein wichtiger Baustein der Persönlichkeitsentwicklung. Ein Konzept der systematischen Persönlichkeitsentwicklung finden Sie in meinem Buch: Das ICH-Management.

 

1 Kommentar zu „Loben, loben, loben #0029“

  1. Ich finde den Artikel sehr gelungen, vor allem weil er so differenziert auf dieses Thema schaut und auch auf die Fallen des zuviel Lobens hinweist. Als Individualpsychologin weise ich in meinen Vorträgen und Seminaren auch immer auf den Unterschied von Lob und Ermutigung hin, denn loben kann ich tatsächlich nur eine Leistung und ich habe einen eigenen Lob-Maßstab, den ich anlege. Ein Lob auf Basis von Gleichwertigkeit nennen Sie in ihrem Artikel Anerkennung zeigen, ich sage dazu Ermutigung, bzw. anerkennen was da ist und dann Mut machen, weiter dranzubleiben oder den Blick auf das Gelungene richten…. Diese Form der Anerkennung oder Ermutigung brauchen Menschen nämlich gerade dann, wenn die Leistung nicht so toll war, wenn sie vielleicht sogar versagt haben oder hinter ihrem gesteckten Ziel zurückgeblieben sind. Mutmachende Grüße sendet Ihnen Ulrike Strubel

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